[Mission] 80 Jahre Gwangbokjeol (광복절) – Koreas Tag der Befreiung und die Parallelen zu Deutschland

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Am 15. August feiert Korea jedes Jahr Gwangbokjeol (광복절) – den „Tag der Wiedererlangung des Lichts“. Dieser nationale Feiertag erinnert an die Befreiung Koreas von der japanischen Kolonialherrschaft im Jahr 1945 und an die Wiedererlangung von Freiheit und Selbstbestimmung.  Im Jahr 2025 jährt sich dieser historische Tag zum 80. Mal. Ein Tag, der nicht nur zum Feiern einlädt, sondern auch zur Reflexion über Einheit, Frieden und nationale Identität. Und es lassen sich durchaus interessante Parallelen zwischen dem Gwangbokjeol (광복절) und Deutschland ziehen, sowohl in historischer als auch in symbolischer Hinsicht – insbesondere mit Blick auf Teilung, Wiedervereinigung und die Art und Weise, wie erinnert wird. Diese Gemeinsamkeiten möchte die Autorin im folgenden Artikel näher beleuchten.

Was genau ist Gwangbokjeol (광복절)?

Gwangbokjeol (광복절) ist der koreanische Nationalfeiertag am 15. August und bedeutet übersetzt so viel wie „Tag der Wiedererlangung des Lichts“.

Er erinnert an den 15. August 1945, den Tag, an dem die japanische Kolonialherrschaft über Korea nach 35 Jahren (1910–1945) ihr Ende fand. Mit der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg konnte Korea seine staatliche Unabhängigkeit zurückgewinnen – zumindest dem Namen nach, denn politisch erfolgte bald die Teilung in Nord- und Südkorea.

Die vielsagende Bezeichnung „Wiedererlangung des Lichts“ versinnbildlicht, dass Korea nach einer Periode der „Dunkelheit“ mit Fremdbestimmung, Unterdrückung und dem Verlust der kulturellen Identität wieder sein eigenes „Licht“, also Freiheit und Selbstbestimmung, erhielt.

Ein ähnliches historisches Schicksal wie Deutschland?

Deutschland und Korea liegen zwar geografisch weit auseinander. Doch die deutsch-koreanische Freundschaft besteht nicht nur aus offiziellen Abkommen, sondern vor allem aus den unzähligen persönlichen Geschichten und Begegnungen, die seit mehr als einem halben Jahrhundert Brücken zwischen den beiden Ländern bauen. Was die beiden Länder historisch verbindet, ist unter anderem ein zentrales Thema: die Teilung im Anschluss an den Zweiten Weltkrieg.

Während Korea unter der japanischen Herrschaft litt, erlebte Deutschland den Beginn und das Ende der ersten deutschen Demokratie, auf die der Nationalsozialismus folgte. Der NS-Staat endete mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945. Am 15. August 1945 erklärte der damalige Herrscher in einer Radioansprache die Kapitulation Japans. Für Korea bedeutete der 15. August 1945 damit das Ende der japanischen Kolonialzeit.

Zwar wurden beide Länder 1945 von einer Diktatur bzw. Fremdherrschaft befreit, aber beide Länder wurden in der Folge auch geteilt:

  • Korea wurde entlang des 38. Breitengrads in Nord und Süd geteilt.
  • Deutschland wurde in Besatzungszonen aufgeteilt, aus denen später die BRD im Westen und die DDR im Osten entstanden.

Für die Bevölkerung der beiden Länder hatte diese Spaltung nicht nur politische, sondern auch familiäre und kulturelle Folgen. Millionen von Menschen lebten plötzlich in unterschiedlichen Systemen, getrennt durch Grenzen, die nicht sie selbst, sondern die Siegermächte gezogen hatten. Beide Nationen mussten nach der Befreiung erst lernen, mit einer aufgezwungenen Teilung umzugehen, und beide Nationen sehnten sich nach Wiedervereinigung. In Deutschland wurde dieser Wunsch nach einer friedlichen Revolution in der DDR 1990 Wirklichkeit, in Korea ist er bis heute leider noch nicht in Erfüllung gegangen.

Diese gemeinsame Historie hat seit den Fünfzigern immer wieder zu gegenseitigem Verständnis und Sympathie beigetragen. Beide Länder verbindet durch die Erfahrung der Teilung viele Themen wie Einheit, Aussöhnung und das Selbstverständnis als Nation. Der Wunsch nach einer Wiedervereinigung ist auch in Korea weiterhin vorhanden, und solange das so ist, könnte er eines Tages Realität werden.

Foto links: Ein Betonfragment, welches Teil der Mauer war, die Deutschland teilte. Dieses Erinnerungsstück steht am Landtag des Saarlandes in Saarbrücken. Foto rechts oben: Das Brandenburger Tor in Berlin, welches seit 1990 auch als Symbol der Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas angesehen wird. Foto rechts unten: Mehrere Teile der Berliner Mauer mit Gedenktafeln. Das Foto entstand während einer Reise nach Berlin im Jahr 2006. Fotos: Andrea Jaeckel-Dobschat.
Ein Teil der ehemaligen Berliner Mauer am Landtag des Saarlandes in Saarbrücken. Foto: Andrea Jaeckel-Dobschat.

Vergangenheitsbewältigung – ein Thema, das beide Seiten eint  

Ein weiterer Punkt, der uns verbindet, ist die Art und Weise, wie wir heute mit unserer Geschichte umgehen. Deutschland wurde weltweit häufig dafür gelobt, wie wir uns mit der NS-Zeit auseinandergesetzt haben und weiter auseinandersetzen. In Korea ist es die Aufarbeitung der Kolonialzeit, die einen hohen Stellenwert hat. Ob in Lehrbüchern, bei Denkmälern oder in politischen Diskussionen.

Gerade an Gwangbokjeol wird die koreanische Erinnerungskultur gepflegt: 

  • An diesem Gedenktag finden in Korea staatliche Zeremonien statt, bei denen Opfer der Kolonialzeit geehrt werden.
  • Die koreanische Nationalflagge „Taegeukgi wird im ganzen Land gehisst.
  • Präsident und Regierungsvertreter halten Reden, oft mit Bezug auf nationale Einheit und Unabhängigkeit.
  • Museen und Gedenkstätten bieten freien Eintritt, um die Geschichte der Kolonialzeit und des Widerstands für alle zugänglich zu machen.

Gwangbokjeol (광복절) 2025 – Erinnerung, Zusammenhalt, Zukunft

Im 80. Gedenkjahr schaut man aber nicht nur zurück, sondern auch nach vorne: Was können wir aus der Geschichte lernen? Wie können Länder wie Deutschland und Korea voneinander lernen – vor allem, wenn es um die Teilung und den Wunsch nach Wiedervereinigung geht? Für viele Koreanerinnen und Koreaner ist Gwangbokjeol daher nicht nur ein Rückblick, sondern auch eine Aufforderung, den Traum von einer friedlichen Wiedervereinigung wachzuhalten.

Fazit:

Gwangbokjeol ist mehr als ein nationaler Feiertag. Er ist ein Symbol für Selbstbestimmung, für die Kraft der Erinnerung und für die internationale Bedeutung historischer Erfahrungen. Der Austausch und die freundschaftliche Beziehung mit Deutschland macht das besonders deutlich.


Der Artikel wurde auch bei den Honorary Reporters veröffentlicht.

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